In meiner Theater Impro Gruppe gibt es einen Menschen, der mich von Anfang an getriggert hat. So sehr, dass ich mich entschloss, dem aber vor allem IHM zu begegnen und es zu adressieren. Ich warf ihm innerlich in Gedanken vor, nicht tiefgründig sondern oberflächlich zu sein und ständig emotional bypassing zu machen. Mich nervte, dass er am Ende eines jeden Sharing Circles einfach alles nur “total super” fand.
Als er eines Tages in der Gruppe eine Geschichte über den We Work Gründer Adam Neumann teilte und über eine Lederjacke, die er als wichtiges Symbol dringend brauchte, begann ich mit ihm in den Kontakt zu gehen, habe ihn um Links zu der Serie gebeten, sie mir angeschaut, studiert, bei ihm nachgefragt:
Ich habe mich gefragt: Was verehrst du an diesem Mann? Dass er kreativ ist und welche Ideen er hat oder dass er so schön irre ist und outside the box denkt? Dass er sexy und charismatisch ist oder dass er skrupellos ist und für seine Idee über Leichen geht?
Ich verehre, dass er eine Art Kult geschaffen, mit ihm als Guru. Hat er gelogen oder einfach in seinem Wahn seine eigene Wahrheit gesagt? Man weiß es nicht.
Beeindruckend war die Offenheit mit der er mir begegnete und ich fand es bereichernd mich mit ihm an diesen Themen reiben zu dürfen.
Wieso spricht dich das Thema so an? Du findest es vermutlich schlecht, wenn ich so einen Typen als Inspiration habe?
Wir fanden zwar keinen Konsens, aber ich am Ende dafür mich. Genauer gesagt meine Handtasche.
Mir fiel nämlich ein, dass ich selber auch vor über 10 Jahren UNBEDINGT diese eine Handtasche aus den USA haben MUSSTE, weil sie von Andrea Andy Sachs in der Teufel trägt Prada getragen wurde.
Mein Urteil über ihn sollte also entweder auch ein Urteil über mich selbst sein oder…im besten Falle, gar kein Urteil at all.
Bist du auch für dich selbst am forschen, was du willst? Was sollte die Tasche bringen? Status als Luxussymbol? Ein gutes Gefühl, sie dir leisten zu können?
Turns. Twists. und Spaghetti
Ironischerweise wie das Leben so spielt:
Am Montag Abend waren wir dann für ein „Business Meeting“ in einer Kneipe und stießen auf eine Angst von ihm. Dreimal dürft ihr raten.
Er hat die Sorge in unserer Theater Gruppe ins Spiel zu kommen und dass ihn dann alle oberflächlich finden könnten. Es stellte sich heraus: Im Sharing Circle ist er nur „einsilbig“, weil er so schnell die ganzen Eindrücke nicht in Worte fassen kann.
Nur weil ein Mensch etwas vielleicht nicht so eloquent ausdrücken kann, bedeutet das nicht, dass seine Erlebnis-und Gefühlswelt nicht komplex sein kann. Wow, da war ich mal wieder Opfer meiner eigenen Perspektive, meines Filters auf die Welt.
Heute nun hat er eine Episode des Podcast gefeatured und in seinen Newsletter aufgenommen.
Ironischerweise ist nun der Mensch, mit dem ich anfangs am wenigsten “Resonanz” in der Gruppe hatte, den ich zunächst am wenigsten mochte und zu dem ich anfangs keine Ver-Bindung empfand, der Mensch, der mir gerade am meisten unter die Arme greift, mich supported, bestärkt im ver-SUCHEN.
Und viel wichtiger noch als das: der mich inspiriert hat und ohne den dieser Telegram Kanal hier vielleicht gar nicht entstanden wäre.

Er ist im „Creator Business“ DAS lebende Beispiel für schamlos “einfach mal machen”, “scheitern”, “ausprobieren”.
Oder wie es mein bester Freund ausdrückte:
Die Spaghetti an die Wand werfen und sehen was kleben bleibt.
The phrase „throw spaghetti at the wall to see what sticks“ is a variation of the original saying, which has its roots in culinary practice. It refers to the method of testing when spaghetti is cooked to al dente perfection. You’d throw a strand at the wall, and if it stuck, it was ready! Over time, this practical cooking tip evolved into a metaphor for trying different approaches until one succeeds.
Manchmal kommt es nicht darauf an, den perfekten Menschen zu finden, den perfekten Kumpel, Geschäftspartner, Freund. Manchmal ist es simpel und einfach DER Mensch, der da ist. Wenn Du fällst.
Das Lernen tolerant zu sein, demütig und offen zu bleiben. Trotz Altersunterschiede, Unterschiede im sexuellen Erleben, der Sicht auf die Welt oder Urteile darüber wie tiefgründig jemand sein mag.
Plus die Erkenntnis, dass ich von jedem Menschen lernen kann und dass das Lernen manchmal eher ein tiefes Einlassen auf die Person und Persönlichkeit ist mehr als ein Verstehen oder ein „genauso sehen und fühlen“ müssen.
Am Anfang des Business Meetings war ich beispielsweise so drauf fokussiert Lösungen und Strategien zu finden, fühlte mich verspannt, verkrampft, angespannt.
Und erneut holte er mich ab mit den Worten:
“Alles muss Spaß und Freude machen sonst tun wir es am Ende nicht.”
Ich versuchte mich zurück zu lehnen, den Fokus und die Erwartung an das Treffen loszulassen und mich zu öffnen… für den Menschen, der mir da gegenüber saß.